Thema: SII zum 100. Geburtstag Willy BrandtsNeuer Beitrag
Von: Irre Das Volk 26.12.2013 15:25 Uhr
Zitat:
Seine Vita endete mit seinem Tode" :-D äääh...ist das nicht bei jedem Menschen so?


Scheinbar nicht. Sonst gäbs ja bei Rewe schliesslich auch keine gefärbten gekochten Eier im Sechserpack zu erwerben... ;)
Von: Engels Kernsozialistische Partei 22.12.2013 09:03 Uhr
"Seine Vita endete mit seinem Tode" :-D äääh...ist das nicht bei jedem Menschen so?
Von: Demirtas (LinkerSozi) Sozialist*innen im Internet 21.12.2013 17:37 Uhr
Zitat:
SII zum 100. Geburtstag Willy Brandts – ein Nachruf


Vor wenigen Tagen hätte sich der Geburtstag des ehemaligen Bundeskanzlers und Friedensnobelpreisträgers zum 100. male gejährt.

Willy Brandt hatte leider nicht mehr die Möglichkeit diesen miterleben zu dürfen, er verstarb 1992 in Unkel, Neuwied. Zeit also an diesem symbolträchtigen Datum seiner zu Gedenken und auf sein (politisches) Lebenswerk zurückzuschauen.

Seine Vita endete mit seinem Tode 1992, der unter großer Anteilnahme und Trauer nicht nur von Angehörigen, sondern auch von vielen Menschen in der Republik insbesondere jungen Menschen, Gewerkschaftern, Arbeitnehmern und dem politisch progressiv gesinnten Teil der Bevölkerung stattfand.
Durch die Geradlinigkeit und Klarheit seiner Ansichten polarisierte Brandt, gleichzeitig versöhnte und vereinte er aber auch, am ende Genoss er Ansehen weit über das eigene Lager hinaus, selbst politische Gegner zollten ihm daher Anerkennung und Respekt.

Schon früh wurde Brandt gesellschaftlich und politisch aktiv.
Dabei ging er nicht immer den Weg des geringsten Widerstandes sondern folgte seinen Idealen, auch wenn dieser Weg sicherlich der steinigere war, blieb Brandt auf der Spur.
So gründete er die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAP), weil ihm die Haltung der SPD zum aufkommenden Nationalsozialismus zu halbherzig und inkonsequent erschien.
Er emigrierte ins Exil nach Norwegen von wo aus er seinen Widerstand gegen das NS-Regime artikulierte.

Später kehrte er wieder in die SPD zurück.
Brandt stieg recht schnell zu einer bedeutenden Figur innerhalb der deutschen Sozialdemokratie auf. Am 21. Oktober 1969 wurde er als erster Sozialdemokrat Bundeskanzler, zuvor erreichte er für die SPD 42,7% der Stimmen und bildete mit der damals noch sozialliberalen FDP eine Koalition.
Brandt überstand ein im April 1972 eingebrachtes Misstrauensvotum und bescherte der SPD bei den Neuwahlen im November 1972 mit 45,8 % der Zweitstimmen den größten Wahlerfolg ihrer Geschichte. Dem ging ein sehr polarisierter Wahlkampf hervor, so ist es zu erklären das eine historisch nie wieder da gewesene Wahlbeteiligung von 91% erreicht wurde.
Die Profilierung der SPD als linke Partei und Interessenvertretung der ArbeitnehmerInnen und sozial ausgegrenzten, sowie eine Außenpolitik des internationalen Ausgleichs und Kritik an der Wettrüstung vermochten es im linken Lager jede Stimme zu mobilisieren und so dem bürgerlichen Block knapp zu schlagen.

Willy Brandt schuf mit seiner Politik des Ausgleichs und der Versöhnung mit dem Osten maßgeblich die Grundlage für die spätere (friedliche) deutsche Einheit, die so ohne diese Politik nie denkbar gewesen wäre, dies und seine Kritik am Wettrüsten und der Nachrüstung brachten ihm später zurecht den Friedensnobelpreis ein.

Die Jahre seiner Kanzlerschaft dürften die einzigsten gewesen sein, in dem die Schere zwischen arm und reich zumindest ein Stück weit kleiner wurde. Damals stand der Begriff Reform noch für Verbesserungen der sozialen Lage und Lebensqualität der Bevölkerungsmehrheit.


Während Helmut Schmidt für den Satz bekannt war: Wer Visionen hat solle zum Arzt gehen, war für Brandt klar das eine Gesellschaft ohne Visionen jeden emanzipatorischen Anspruch ad acta gelegt hat und sich auf Dauer im hier und jetzt und in den bestehen Verhältnissen einrichtet, was zwangsläufig auch zu gesellschaftlichem Rückschritt führen muss.


Dabei war Willy Brandt wie jeder Mensch nicht fehlerfrei.
So führte z.B. der Radikalenerlass zu vielen Berufsverboten von Linken und führte in der Theorie und Praxis zudem zu einer unsachlichen Gleichsetzung linkssozialistischer und reformkommunistischer Ideen und Gruppen mit terroristischen Vereinigungen wie der RAF.
Dies wurde ihm später bewusst, kurz vor seinem Tode bezeichnete er den Radikalenerlass als größte politische Fehlentscheidung seiner Laufbahn.

Der Tod Willy Brandts markiert auch eine Zäsur für die Sozialdemokratie, seit seinem Tod Anfang der 90er Jahre ist die SPD inhaltlich, als auch personell gewaltig auf den Hund gekommen und hat im atemberaubenden Tempo politische Grundsätze entsorgt, um den Preis inhaltlich mit der CDU austauschbar zu sein. Die heutige Reduzierung als Mehrheitsbeschafferin der Union ist nur der logische Endpunkt einer schleichenden Entwicklung, die bereits 1914 mit der Zustimmung zu den Kriegskrediten begann, und sich über die Annahme des Godesberger Programms fortsetzte.

Doch immer waren in der SPD linke Inhalte strukturell mehrheitsfähig und die SPD stand für eine Politik des sozialen Ausgleichs nach innen und außen und wurde auch in der Öffentlichkeit als linke Volks- oder Arbeiterpartei wahrgenommen. Dies sollte sich spätestens mit der Schröder Ära und dem sozialen Kahlschlag der Agenda2010 und HartzIV, als auch mit der Zustimmung zu den Kriegseinsätzen im Kosovo und in Afghanistan ändern.