Thema: KSP zu DeutschlandNeuer Beitrag
Von: Wiolant (Bimbiss) Das Volk 28.01.2013 11:05 Uhr
S.Klammer,
der Text kam von der KSP-Seite, weil es einen neuen Text gibt und weil das Design zwei Texte nicht so gut verträgt. So simpel ist es in der Tat.
Aber ich kann nicht verhehlen, dass mir zumindest das so nicht weh tut. Auch ich habe den Text erduldet und damit schweigend mitgetragen, nun aber ist es auch angemessen, dass etwas anderes auf der Startseite steht.
Der Text kam aus einer Zeit hoher Produktivität und reger Beteiligung. Die damals massgeblich Beteiligten zeigen sich nun kaum noch oder gar nicht mehr, insofern wollte ich nie hier Urteile fällen ohne die Möglichkeit der eigenen Darstellung.
Der Text wurde zumindest schweigend akzeptiert, auch wenn es dokumentierte Gegenmeinungen gab. Die vorgebrachte Kritik kann ich zu einem Großteil mittragen, aber das konnte ich auch schon vorher. Man mag mich also lediglich dafür kritisieren, dass ich schwieg und nicht von der Fahne ging. Aber wir haben die KSP nicht wiedergegründet, um uns gleich wieder sektiererisch zu zerlegen. Es gabe IMHO einen Bedarf für eine radikale Linke, die fern des Politikbetriebes ist, die eine Verknüpfung verschiedener Standpunkte bietet und die nicht Abklatsch eines parlamentarischen Konzerns namens LINKE ist. In guten Zeiten dols gingen verwirrte Stimmen unter oder konnten ohne Rücksicht ausgeschlossen werden. In heutigen Zeiten ist derlei schlicht unrealistisch. Seien wir ehrlich, das Konzept der Parteien bei dol2day ist weitetsgehend gescheitert. Wir haben nur noch die Wahl zwischen schwierigem Spagat zwischen verschiedenen Positionen oder dem inaktiven Leben einer Minipartei. Dafür bin ich nicht zur KSP gekommen, um dann mit mir alleine zu diskutieren.
Von: SBF_ KDP Konservative Deutsche Partei 28.01.2013 10:03 Uhr
Dein Einwand ist ein gutes Beispiel wie diese Debatte um die Vorgänge im Nahen Osten geführt wird.
Da gehts um die Deutungshoheit von Begrifflichkeiten, die Frage nach der Intention der Protganisten , um die Wortwahl und um den Beweis das sie " Deutschen " nicht nur von ihren Zivilisationsbruch ablenken wollen.


Eine inhaltliche, zielführende Auseinandersetzung wird damit glücklicherweise unterbunden und da man sich moralisch überlegen fühlt, muss man nur auf eventuelle Verfehlungen der Kritiker achten.

Bravo...


Mein Anspruch ist da ein anderer, mir ist es scheißegal, ob der Kienzle den Friedman nicht völlig korrekt angesprochen und auf die feingeistige Trennung der Thematiken geachtet hat.

Mir gehts um die Situation vor Ort und solange da Menschen sterben, ist die richtige der Wahl der Worte zweitrangig für mich.


Noch Fragen S.Klammer ?
Von: Parenthèse (S.Klammer) Das Volk 28.01.2013 00:51 Uhr
Du meinst doch gar nicht, wir müssten etwas aus der Geschichte gelernt haben. Du meinst, die Juden müßten etwas aus der Geschichte gelernt haben. Weil die europäischen Juden die Frechheit besessen haben, fast ausgetilgt worden zu sein von Deutschen, haben die Juden in Israel bitte gefälligst sich heute von Steinbach, Blüm und Kienzle belehren zu lassen, wie sie Frieden zu schaffen haben. Interessant übrigens gleich am Anfang: Kienzle schreit Friedmann an, "Sie" haben die Palästinenser vertrieben, Sie, der deutsche Staatsbürger Friedmann, der es wagt, eine andere Haltung zur isralischen Politik zu haben, wird gleich mal in das vorwurfsvolle "Wir" eingemeindet. Noch Fragen, Kienzle? Nein, eigentlich nicht.
Von: SBF_ KDP Konservative Deutsche Partei 27.01.2013 11:51 Uhr
Ja dieses Szenario ist wohl sehr wahrscheinlich, das sich die Welt in den letzten 70 Jahren etwas verändert haben dürfte, ist Dir wahrscheinlich entgangen sein.


Und an dieser Stelle wäre es vielleicht angebracht, deinen Vorwurf der Pauschalhetze an mich, etwas zu konkretisieren.

Und du wirst staunen, es gibt in dieser Welt wirklich Zustände die es mit dieser Verantwortung eigentlich nicht mehr geben dürfte, aber kurioserweise hält man sich da mit Kritik sehr zurück.


Da frage ich mich, ob wir aus der Geschichte nichts gelernt haben.



Für einen möglichen Erkenntnisgewinn sei dir folgender Link empfohlen:



http://www.youtube.com/watch?v=0PWGn_5ecrw



ich bin gespannt über deine Fähigkeit, deine eigenen Ansprüche auf die Welt von heute anzuwenden.

Von: Tenderloin Das Volk 27.01.2013 08:09 Uhr
Meine Fresse, SBF_, tust Du so doof oder bist Du es wirklich? Der Holocaust ist 70 Jahre her, einfach mal das Buch schließen und die Nummer abhaken? Ist ziemlich billig und obendrein gefährlich - gerade in Bezug auf Deine immer wiederkehrende Hetze und Pauschalkriminalisierung von Osteuropäern, vom gemeinen Dummvolk auch gerne mal kollektiv als "Zigeuner" beschimpft.

Aber, herrje, wenn diese deutsche Verantwortung mittlerweile nicht mehr gegeben ist, können wir ja mal wieder einen systematischen Genozid herbeiführen. Ist ja irgendwann nicht mehr so schlimm.
Von: SBF_ KDP Konservative Deutsche Partei 26.01.2013 17:22 Uhr
Ok..dann ist dein Nachdruck in dieser Sache zumindest stimmig.
Von: Parenthèse (S.Klammer) Das Volk 26.01.2013 17:07 Uhr
Kurz gesagt: 3 Mal Ja.
Von: SBF_ KDP Konservative Deutsche Partei 26.01.2013 17:02 Uhr
Ist es denn für dich ein Muss, sich nicht nur auf die Millionen Opfer deutscher Politik zu beziehen, sondern explizit auf deren Herkunft und die entsprechende Verbrechensart einzugehen ?

Steht und fällt für dich eine Darstellung der Linken von Deutschland nur mit dem entsprechenden Bezug auf den Holocaust ?


Ist dieser Holocaust für dich auch nach 70 Jahren noch der relevante Punkt, wenn du an Deutschland denkst ?
Von: Parenthèse (S.Klammer) Das Volk 26.01.2013 16:44 Uhr
Immer diese Naivlingsfragen.

Außerdem redete ich nicht nur von der heutigen Verantwort, der Text benennt nicht mal die Verantwortung des damaligen Deutschlands für den Holocaust exakt.
Von: SBF_ KDP Konservative Deutsche Partei 26.01.2013 16:34 Uhr
@ S.Klammer

Worin besteht denn diese deutsche Verantwortung heutzutage ?
Von: Parenthèse (S.Klammer) Das Volk 26.01.2013 16:25 Uhr
Wir können die Diskussion hier fortführen. Dazu die Frage, ist das Verschwindenlassen des Textes von der Startseite durch die KSP Einsicht auf die Kritik meinerseits, dass der Text zum Thema Holocaust und deutscher Verantwortung derart lückenhaft und unzulänglich war?
Von: SBF_ KDP Konservative Deutsche Partei 22.01.2013 22:02 Uhr
Dieses Instrument wird in der letzten Zeit eh etwas zu wenig genutzt, gerade kontroverse Themen eignen sich dafür sehr gut.
Von: Albert Jerska iGeL 22.01.2013 21:48 Uhr
Das klingt meiner Meinung nach ganz gut.

Vielleicht könnte das Thema aber auch ein Anlass sein mal wieder ein BOP zu starten.
Von: Wiolant (Bimbiss) Das Volk 22.01.2013 20:38 Uhr
Ich dachte an eine kollaborative Textproduktion, bei der zum Beispiel ich die Position der KSP verdeutliche, wie die Kritik aufgefasst wurde, was dadurch angestossen wurde und wie sich auch Standpunkte und Sichtweisen verändern und zum Beispiel du formulierst nochmal die Kritik und überprüfst die von mir vorgetragene Reflexion...
Von: Parenthèse (S.Klammer) Das Volk 22.01.2013 19:42 Uhr
Wobei ich mich dann frage, warum ich als Nichtmitglied der KSP eure Arbeit machen muss. Ich habe euren Text von außen kritisiert und mich würde interssieren, wie ihr mit der Kritik umgeht.
Von: Wiolant (Bimbiss) Das Volk 22.01.2013 19:11 Uhr
Hmm, wäre das nicht ein wunderbares parteiübergreifendes Projekt?
Von: Parenthèse (S.Klammer) Das Volk 22.01.2013 17:32 Uhr
Diskussionen können zusammengefasst werden, aus ihnen Schlüsse gezogen werden.
Von: SBF_ KDP Konservative Deutsche Partei 22.01.2013 17:29 Uhr
Was soll die Abschaffung der Nationalstaaten denn für einen Vorteil bringen ?
Von: Wiolant (Bimbiss) Das Volk 22.01.2013 17:26 Uhr
Es ist nicht gelöscht. Dieser Text ist hier mitsamt der dazugehörigen Diskussion dokumentiert. Und genau so ist es gut, denn die anschließende Diskussion ist ein wesentlicher Bestandteil des politischen Seins der KSP, auch der SII. Eine Trennung davon ist nicht möglich.

Und ich dokumentiere hiermit meinen einzigen Beitrag zur Textdebatte innerhalb der KSP:
"(Interna)... aber ich sage: Nationalstaaten abschaffen!"
Von: Parenthèse (S.Klammer) Das Volk 22.01.2013 17:08 Uhr
Lieber Bimbiss, ich werde da hartnäckig bleiben, für mich ist es ein kritikwürdiger Vorgang, über Monate einen solchen Text auf der Startseite zu haben, mit diesem Text kollektiv Kanzler zu werden und ihn nun kommentarlos verschwinden zu lassen. Was würdet ihr euch aus der Krone brechen, euch mit ein paar Zeilen von dem Text zu distanzieren, ihn zu verändern und ihn als Teil eurer Parteigeschichte weiterhin zu dokumentieren? Gegen das Machen von Fehlern ist nichts einzuwenden, Fehler einfach zu löschen ist aber keine Form ernsthafter Selbstkritik.
Von: Parenthèse (S.Klammer) Das Volk 17.01.2013 15:44 Uhr
Er soll also verschwinden. Ansich gut. Aber warum ist es dir und den wenigen Aktiven nicht möglich, ähnlich wie zur Kuba-Erklärung, ein paar Zeilen zur Distanzierung zu schreiben. Der Text stand bis vor kurzem, ich würde sogar behaupten noch bis 13 Uhr, seit Monaten unwidersprochen auf eurer Startseite.
Von: Wiolant (Bimbiss) Das Volk 17.01.2013 15:38 Uhr
Das Ergebnis ist doch da.
Nun sei doch nicht so kleinlich in der Sache.
Die Protagonisten dieses Textes sind aktuell nicht (mehr) aktiv, mir ist es egal, wo er nun verschwindet.
Von: Parenthèse (S.Klammer) Das Volk 17.01.2013 15:22 Uhr
Ja, aber nicht von Euch.
Von: Wiolant (Bimbiss) Das Volk 17.01.2013 15:03 Uhr
Es gibt theoretisch ein Archiv...
und er ist auch hier dokumentiert.
Von: Parenthèse (S.Klammer) Das Volk 17.01.2013 14:47 Uhr
Der Text zu Deutschland ist jetzt von der Startseite verschwunden, und so weit ich es sehen kann, auch nicht irgendwo anders dokumentiert.

Darf ich das als inhaltlich Abwendung von den dort gemachten Positionierungen verstehen oder wollt ihr ihn nur klammheimlich unter den Teppich kehren.

Von: Nein. (Ralf) Kernsozialistische Partei 06.10.2012 10:48 Uhr
Zitat:
Wenn man das heutige Deutschland nur aus dem geschichtlichen Ausschnitt 33-45 definiert,verliert man schnell den aktuellen Bezug.

Daher finde ich den Entwurf der KSP zumindest in Teilen interessant,weil er mehr nach Vorne schaut als Zurück.


Es gibt leider auch nach ཀྵ und besonders in den Jahren, die die meisten von uns bewusst miterlebten, viel zu kritisieren und zu bedauern, zu erinnern und zu bekämpfen. Wer über den bekannten 12 Jahren dies vernachlässigt, macht schwere Fehler.
Von: Wiolant (Bimbiss) Das Volk 06.10.2012 09:43 Uhr
Pauschalurteile sind immer mit Fehlenr behaftet, aber es geht um eine grundsätzliche Tendenz.

Siehe z.B.:
http://suite101.de/article/katholizismus-und-antisemitismus-in-deutschland-a66398
http://www.hagalil.com/antisemitismus/christentum/goldhagen.htm
Von: Delarue Das Volk 05.10.2012 19:42 Uhr
Zitat:
möchte ihn aber unbedingt um den Katholizismus als Grundlage des Vernichtungswahns ergänzen, da es eine augenscheinliche Auffälligkeit ist, dass in katholischen Gebieten eine größere Zustimmung und Unterstützung zu finden war.


Das kann man pauschal so nicht sagen. Natürlich ist es richtig, auch den christlichen (und zwar nicht genuin katholischen) Antijudaismus als Teil des antisemitischen Wahns zu benennen, aber es gab auch manche katholische Gegend, in der das Zentrum stark, die NSDAP schwach und die Bereitschaft zu individueller Hilfe für jüdische Mitbürger_innen überproportional groß war. Natürlich gab es genügend Gegenbeispiele, klar.
Dann gab es aber auch reichlich protestantische Gegenden, in denen die sog. "Deutschen Christen" einflussreich waren und in denen die Verfolgung von Jüdinnen und Juden auf große Zustimmung stieß.
Pauschal kann man da also nicht die Rolle einer bestimmten christlichen Konfession beurteilen.
Von: Wiolant (Bimbiss) Das Volk 05.10.2012 16:37 Uhr
Zitat:
antisemitismus ist viel mehr ein antibürgerliches ressentiment, welches aus der bürgerlichen gesellschaft selbst entspringt. es ist kollektiver wahn und notwendige denkform, die nicht produkt des ns ist, sondern der den ns erst möglich gemacht hat.

Das trifft zumindest so für die deutsche Ausprägung zu. Allerdings reicht das nur bedingt zum Erklärungsansatz für den italienischen, spanischen oder den rumänischen Faschismus. Und es reicht nicht als Erklärungsansatz für die Zustimmung zu den antisemitischen Verbrechen unter deutscher Besatzung, die sich ja regional sehr unterschiedlich ausgeprägt hat.
Also, ich folge diesem Ansatz, möchte ihn aber unbedingt um den Katholizismus als Grundlage des Vernichtungswahns ergänzen, da es eine augenscheinliche Auffälligkeit ist, dass in katholischen Gebieten eine größere Zustimmung und Unterstützung zu finden war. Für mich unverständlicherweise wird dieser Teilaspekt nachwievor zu stark ausgeblendet und auch die Debatte um den perfiden Juden in der katholischen Liturgie, die mit dem "deutschen Papst" neues Feuer erhalten hat, findet in der Öffentlichkeit praktisch gar nicht statt, erstaunlicherweise aber auch kaum in linken Kontexten.
Von: SBF_ KDP Konservative Deutsche Partei 05.10.2012 15:25 Uhr
Ich staune immer wieder,wie die Linke,um es mal grob politisch zu skizzieren,zwar den Anspruch hat fortschrittlich und visionär zu sein,sich beim Thema Deutschland aber mit Vorliebe Vergangenem widmet.

Wenn man das heutige Deutschland nur aus dem geschichtlichen Ausschnitt 33-45 definiert,verliert man schnell den aktuellen Bezug.

Daher finde ich den Entwurf der KSP zumindest in Teilen interessant,weil er mehr nach Vorne schaut als Zurück.

Von: Demirtas (LinkerSozi) Sozialist*innen im Internet 04.10.2012 20:23 Uhr
Klar natürlich und selbstverständlich gebührt allen Deutschen die sich der NS-Barbarei in den Weg stellten und beispielweise unter eigener Gefahr Leute vor der Willkür der SS und SA versteckten Respekt und Hochachtung
Von: Nein. (Ralf) Kernsozialistische Partei 04.10.2012 20:19 Uhr
Zitat:

Ich meinte die ganz gewöhnlichen Deutschen Juden die nichts anderes im Sinn hatten als einfach nur mit ihren Familien glücklich zu sein


Ich finde, auch ganz ungewöhnliche Deutsche, die mit der Familie Freud (würg) befreundet waren und jedem nur das Beste wollten wie die Familie Rosenthal in Jena (Mann verstorben, Frau vergiftete sich angesichts der NS-Repressalien) gehören in so eine Aufzählung.
Von: Demirtas (LinkerSozi) Sozialist*innen im Internet 04.10.2012 20:14 Uhr
@Delarue

"Klar, es gab auch genügend Deutschnationale mit jüdischem Glaubensbekenntnis, nicht weniger übel militaristisch und republikfeindlich wie ihre "arischen" Gesinnungsfreunde."

Klar auch die gab es natürlich, wobei ich die nichtmals meinte:-)

(extreme) Rechte findet man schließlich ja beinhahe überall:-(

Ich meinte die ganz gewöhnlichen Deutschen Juden die nichts anderes im Sinn hatten als einfach nur mit ihren Familien glücklich zu sein
und sich immer als teil der deutschen Gesellschaft verstanden wie eben deutsche Protestanten, Katholiken und Atheisten und nicht weniger geleistet haben als andere religiöse Gruppen.

Und da hast du natürlich recht das man diesen Antisemitismus nicht rational begegnen oder gegenankommen kann.
Von: Nein. (Ralf) Kernsozialistische Partei 04.10.2012 19:43 Uhr
Ich war heute bei einer Freundin zu Gast in der Villa Rosenthal/Jena. Auch so ein Pärchen, das im Rahmen seiner beträchtlichen Möglichkeiten viel mehr als selbstverständlich für die Stadt und die Gesellschaft im Allgemeinen vorangetrieben hat - und dessen verbliebener Teil leider noch schlimmsten Antisemitismus erleben musste und sich darob entleibte. Aber egal, ob wir die Zeichen im Ausland oder hier finden, ob wir Deutsche sind oder einen anderen Pass haben - alle müssen was tun.
Von: angelus_novus Das Volk 04.10.2012 02:35 Uhr
"
Dabei haben vielen Juden vor der NS-Zeit teils mehr für Deutschland getan als manch angehöriger anderer Glaubensgemeinschaften, Die übergroße Mehrheit der Juden waren in ihrem Sebstverständnis auch immer Deutsche mit Jüdischen Glaubensbekenntniss."

und das ist der nächste fehler. der antisemit interessiert sich überhaupt nicht für konkrete juden, sondern für das bild, welches er vom juden hat. von daher funktionieren auch antisemitische formen wie der antiamerikanismus oder der antizionismus prima ohne "die" juden.
Von: angelus_novus Das Volk 04.10.2012 02:33 Uhr
"
Ein wesentlicher Faktor des NS-Staates war ja auch immer vom Jüdischen Volk und und einer vermeintlichen "Jüdischen Rasse" zu sprechen."

antisemitismus ist kein produkt des ns-staates und auch nicht dessen: "wie zum Beispiel eine totale Gleichschaltung der Gesellschaft eine jahrelang angelegte Propagenamaschenerie, eine totale Vernichtung der Opposition, ein völlig hilfloses Europäischeas Ausland und Großindustrielle die in der Frage der industriellen Massenvernichung eng mit dem Regime zusammengearbeitet haben."

antisemitismus ist viel mehr ein antibürgerliches ressentiment, welches aus der bürgerlichen gesellschaft selbst entspringt. es ist kollektiver wahn und notwendige denkform, die nicht produkt des ns ist, sondern der den ns erst möglich gemacht hat.
Von: Nein. (Ralf) Kernsozialistische Partei 03.10.2012 16:40 Uhr
Zitat:
Dabei haben vielen Juden vor der NS-Zeit teils mehr für Deutschland getan als manch angehöriger anderer Glaubensgemeinschaften


Das läuft bei solchen Ausgrenzungen immer so: Erst kommt das Urteil und dann findet sich schon irgendwelches Belegmaterial.
Von: Delarue Das Volk 03.10.2012 14:32 Uhr
@ LiSo

Klar, es gab auch genügend Deutschnationale mit jüdischem Glaubensbekenntnis, nicht weniger übel militaristisch und republikfeindlich wie ihre "arischen" Gesinnungsfreunde.

Das Ding ist: rational ist dem antisemitischen Wahn eben nicht beizukommen.
Von: Demirtas (LinkerSozi) Sozialist*innen im Internet 03.10.2012 14:18 Uhr
@Delarue

Klar natürlich leitetete der NS-Staat alle Übel aus "dem Juden" ab der dann für alles negative Verantwortlich gemacht wurde.

Ein wesentlicher Faktor des NS-Staates war ja auch immer vom Jüdischen Volk und und einer vermeintlichen "Jüdischen Rasse" zu sprechen.

Dabei haben vielen Juden vor der NS-Zeit teils mehr für Deutschland getan als manch angehöriger anderer Glaubensgemeinschaften, Die übergroße Mehrheit der Juden waren in ihrem Sebstverständnis auch immer Deutsche mit Jüdischen Glaubensbekenntniss.
es gab auch besonders viele jüdische Offiziere im ersten Wektkrieg
(den ich als solches natürlich für ablehnenswert halte).

Umso verwunderlicher wie die NS-Propagandmaschinere soviel Dummheit mobilisieren konnte.
Von: Delarue Das Volk 03.10.2012 14:02 Uhr
P.S.:

zur vorgeblichen Israel-Solidarität der diversen europäischen extrem-rechten Gruppierungen empfehle ich mal nen Text der Kiste, den der gute Landauer aus Anlass der Debatte um Breivik seinerzeit geschrieben hat. ;-)
("Freiheit statt Angst - Aufklärung statt Wahn", steht auf der Startseite der RKP)
Von: Delarue Das Volk 03.10.2012 14:00 Uhr
@LiSo

Du sagst nichts falsches über den NS, aber ich würde ergänzen wollen, dass damit der antisemitische Vernichtungswahn und der Antiziganismus noch nicht erklärt sind. Was du beschreibst, ist ja in erster Linie der Staatsterror, der ein Merkmal aller faschistischen Staaten war und ist.

Um es mal abgekürzt zu formulieren:
im völkischen Nationalismus, der die homogene Volksgemeinschaft als kollektive Identität herbeisehnt, ist Individualität unerwünscht. "Der Jude" als gedachte Gegen-Rasse und raffender Zersetzer der Völker verkörpert für den Antisemiten diese Individualität, dieses verhasste nicht-identische, das der Volksgemeinschaft im Wege steht.

Dieser Wahn richtet sich natürlich auch gegen Sinti und Roma, gegen Homosexuelle, gegen diverse Anders-seiende, er ist aber immer antisemitisch in seiner Struktur. Und hinter all den "Zersetzungen" und "Verwerfungen" steht sowieso nur einer, nämlich "der Jude". Ohne ihn keine "moralische Verkommenheit", ohne ihn keine Chance für "die Zigeuner", ohne ihn keine "gesteuerte Überfremdung" (in seinem Gerede über die Kulturmarxisten, die das Abendland mit Muselmanen überfremden, äussert sich übrigens auch Breiviks Antisemitismus).

Kurzum:
ist das Kollektivsubjekt bedroht, müssen diejenigen, die gern in der Masse aufgehen möchte, sich ihrem eigenen Selbst stellen. Das wollen sie nicht. Antisemitismus ist also mit Sartre "die Furcht vor dem Menschsein".
Von: Demirtas (LinkerSozi) Sozialist*innen im Internet 03.10.2012 13:51 Uhr
@Delarue


"1. ja, es gibt einen verbreiteten antimuslimischen Rassismus. Nicht nur auf der Rechten."

Ja, zumindest reicht er punktuell in die Mitte der Gesellschaft wobei es sich in Deutschland noch in Grenzen hält, in den USA oder im heutigen Frankreich ist er noch stärker verwurzelt


"2. nein, Kritik des (politischen) Islam gehört nicht dazu, kann aber die Grenze zum Ressentiment durchaus überschneiden. Broder tänzelt da bedenklich auf der Grenzlinie rum, finde ich."

Klar das muss man differenzieren. Ich lehne auch Sachen und regressive Traditionen wie Zwangsehen oder Burkaisierung von Frauen ab und bin dagegen das sowas in Europa toleriert wird.
Dennoch sind stereotype zu bekämpfen die derweile Erscheinungen auf alle Muslime projezieren. Auch Bushs heiliger Kreuzzug gegen den Islam bedient sich solcher vereinfachter Klisches wie Moslem=Terrorist, westliche Welt = Freiheit


"3. antimuslimischer Rassismus hat den Antisemitismus nicht abelöst, da letzterer (a) nach wie vor virulent und (b) dann doch noch etwas anderes ist als bloßer Rassismus. Von "raffenden", die Welt via Banken und Regierungen lenkenden, Völkern zersetzenden Muslimen habe ich jedenfalls noch niemanden reden hören."

Kommt drauf bei Rechtspopulisten wie Pro-NRW beispielsweise spielt er keine Rolle die definieren sich nur über Anti-Islam Parolen, hingegen ist er in der NPD aufgrund ihrer ideologischen Verbundenheit mit dem NS-Staat noch lebendig.
Aber wenn wir bei der extremen rechten bleiben, in Frankreich
tritt selbst der Front National in letzter Zeit kaum mehr Anti-Semitisch auf (was ja erstmal gut wäre und ein Fortschritt, würde man sich nicht sofort einem neuen Feindbild bedienen: Dem Islam
Der FN pflegt derweil mittlerweile im anderen extrem gesehen Kontakte zur extremen Rechten in Israel (zu Gruppierungen die mindestens die Linie von Avigdor Liebermannn vertreten oder rechts davon stehend
sind, Netanjahu kann man ja vor allem in dem Kontext als bürgerlich bezeichnen.)
Von: Demirtas (LinkerSozi) Sozialist*innen im Internet 03.10.2012 13:29 Uhr
@Delarue

"In diesem Abschnitt widersprichst du dir selbst: der mörderische Antisemitismus, der in Deutschland seinen Höhepunkt erreichte, ist entweder mehr als das Ergebnis nationalistischen Denkens (da stimme ich dir unumwunden zu), oder er ist letzte Konsequenz eines auf Unterdrückung anderer Nationen gerichteten Nationalchauvinismus. Er ist nicht "sowohl als auch", finde ich."


Achso nein, ich meinte es nicht im entweder oder Kontext inhaltlich meinte ich damit eigentlich eher folgendes:

das "ethnische Säuberungen" und ähnliches letzlich immer Endstatium und Konsequenz chauvinistischer Berstrebungen aind, das aber Ausmasse wie die des industriellen Massenmordes an Juden und Sinti und Roma im dritten Reich sicherlich durch noch mehr Faktoren zustande gekommen sind, wie zum Beispiel eine totale Gleichschaltung der Gesellschaft eine jahrelang angelegte Propagenamaschenerie, eine totale Vernichtung der Opposition, ein völlig hilfloses Europäischeas Ausland und Großindustrielle die in der Frage der industriellen Massenvernichung eng mit dem Regime zusammengearbeitet haben.
Von: Delarue Das Volk 03.10.2012 13:00 Uhr
@ LiSo

Zitat:
Klar ich stimme dir zu der Holocaust ist sicher mehr als das Ergebnis eines gewöhnlichen nationalistischen Exzesses, wobei wir an vielen Beispielen sehen (Südafrika während der Apartheid, Bosnien, Ruanda etc.) das Unterdrückung und Völkermord letzlich immer das Endstadium und letzte Konsequenz eines auf Unterdrückung anderer Nationen gerichteten Nationalchauvinismus sind.


In diesem Abschnitt widersprichst du dir selbst: der mörderische Antisemitismus, der in Deutschland seinen Höhepunkt erreichte, ist entweder mehr als das Ergebnis nationalistischen Denkens (da stimme ich dir unumwunden zu), oder er ist letzte Konsequenz eines auf Unterdrückung anderer Nationen gerichteten Nationalchauvinismus. Er ist nicht "sowohl als auch", finde ich.

Um mal nicht wieder missverstanden zu werden (ich meine jetzt eher Ralf, nicht dich, LiSo): natürlich ist Massenmord immer und überall ganz grosse Scheisse (gelinde ausgedrückt), aber die Analyse der jeweiligen Entstehungsbedingungen und entsprechende Abgrenzungen haben nichts mit Verharmlosung hier, "Mystifizierung" (Gauck) dort zu tun, sondern sind notwendig, um dem Nie wieder! auch ernsthaft zur Wirksamkeit zu verhelfen. Wichtig ist für den Widerstand gegen Verbrechen eben nicht nur die bloße Erkenntnis, dass Menschen etwas tun, sondern auch die Analyse dessen, warum sie etwas tun. Würde vermutlich jede_r forensische Psycholog_in unterschreiben.
Über Antisemitismus haben viele geschrieben, nicht erst seit dem Erscheinen der garstigen "Antideutschen". Dass in der Linken heute Sartre, Amery, Adorno u.a.m. von nicht wenigen vollständig ignoriert werden, kann schon fassungslos machen. (und da es im aufgeheizt-paranoiden Dol-Klima wohl derzeit nötig ist, mach ich's mal kenntlich: das ist eine allgemeine Aussage)


Zitat:
Die Frage ist auch wie konnte es überhaupt zu so extremen Ausmassen wie 33-45 kommen, denn klar ist das ist ja nicht vom Himmel gefallen.


Exakt, ja.
Im nächsten Abschnitt nennst du einige der wichtigen Punkte.


Zitat:
Wobei der Antisemitismus heute bei vielen Rechtspopulistischen und Rechtsextremem Gruppen mittlerweile vom einem teils militanten Antiislamismus abgelöst wurde was die Sache nicht besser macht.


Darüber liesse sich wieder ziemlich lange diskutieren. Hier mal in Kürze das für mich Wichtigste:

1. ja, es gibt einen verbreiteten antimuslimischen Rassismus. Nicht nur auf der Rechten.
2. nein, Kritik des (politischen) Islam gehört nicht dazu, kann aber die Grenze zum Ressentiment durchaus überschneiden. Broder tänzelt da bedenklich auf der Grenzlinie rum, finde ich.
3. antimuslimischer Rassismus hat den Antisemitismus nicht abelöst, da letzterer (a) nach wie vor virulent und (b) dann doch noch etwas anderes ist als bloßer Rassismus. Von "raffenden", die Welt via Banken und Regierungen lenkenden, Völkern zersetzenden Muslimen habe ich jedenfalls noch niemanden reden hören.
Von: Irre Das Volk 03.10.2012 11:56 Uhr
Zitat:
Für alle, geographieunabhängig.


Geschichtsvergessenes Normalisierungsgequatsche. Martin Walser und Günter Grass wären sicher sehr stolz auf dich.
Von: Irre Das Volk 03.10.2012 11:54 Uhr
@Bimbiss

Zitat:
Und meine Antwort lautete, diese gibt es nicht, es gibt eine für alle gleiche Veranwtortung.


Klar, prinzipiell ist es eine spezifische und besondere Verantwortung aller Deutschen unabhängig von ihrer politischen Schubladisierung.

Die hervorzuhebende Verantwortung linker UND emanzipatorischer Parteien, Bewegungen und Individuen ist von daher nicht apriori gesetzt. Aber sie existiert trotzdem in dem Sinne, dass gerade dem emanzipativen Streben ein Erkenntnisinteresse an den Ursachen und materialen wie ideologischen Grundlagen aller historisch und gegenwärtig wirksamen antiemanzipatorischen Tendenzen, sprich jedweder gesellschaftlicher Regression, inhärent ist, wenn es nicht aufhören will emanzipativ zu sein.

Denn gerade dies ist das entscheidende Differenzierungsmerkmal zwischen einem links-emanzipatorischen Standpunkt einerseits und all jenen Standpunkten, die es sich in den gegebenen Verhältnissen samt der diesen gesellschaftlichen Bedingungen innewohnenden Regressionspotentiale bequem gemacht bzw. diese vor- oder unkritisch affirmieren.

Wenn ihr diesen emanzipatorischen Standpunkt aber nun nivelliert oder gar aufgebt mit dem Verweis auf die Verantwortung aller, was unterscheidet euch dann noch von jedem x-beliebigen konservativen oder rechtsreaktionären Standpunkt? Außer dem schönen Schein eines roten Sterns am Revers und ein paar progressiv anmutender aber nicht seiender Details nicht mehr viel will ich meinen.

Ein linksemanzipatorischer Antifaschismus, der nicht antifaschistischer sein will, als es ein Deichgraf, ein Combo oder ein McOnline (Namen völlig beliebig und austauschbar) sind, der ist eben nicht emanzipatorisch im Sinne einer jede Regression verunmöglichen wollenden Strebung.

Und dieser Kritik habt ihr euch eben vor dem Hintergrund eurer Selbstdefintion als linker Partei zu stellen.
Von: Nein. (Ralf) Kernsozialistische Partei 03.10.2012 10:12 Uhr
Zitat:
es gibt eine für alle gleiche Veranwtortung.

Für alle, geographieunabhängig.
Von: Wiolant (Bimbiss) Das Volk 03.10.2012 09:45 Uhr
Irre,
(02.10.2012 18:57 Uhr)
da stimme ich dir vollumfänglich zu.
Du hast aber womöglich die Ausgangsfrage verpasst: Gibt es eine spezifische verantwortung linker Parteien?
Und meine Antwort lautete, diese gibt es nicht, es gibt eine für alle gleiche Veranwtortung.
Von: Nein. (Ralf) Kernsozialistische Partei 03.10.2012 07:29 Uhr
Zitat:
Wobei der Antisemitismus heute bei vielen Rechtspopulistischen und Rechtsextremem Gruppen mittlerweile vom einem teils militanten Antiislamismus abgelöst wurde was die Sache nicht besser macht.


Solange solche Sachen wie gestern mit Kramer passieren, sind wir das Problem nicht los.
Von: Demirtas (LinkerSozi) Sozialist*innen im Internet 03.10.2012 00:19 Uhr
Wobei der Antisemitismus heute bei vielen Rechtspopulistischen und Rechtsextremem Gruppen mittlerweile vom einem teils militanten Antiislamismus abgelöst wurde was die Sache nicht besser macht.
Von: Demirtas (LinkerSozi) Sozialist*innen im Internet 03.10.2012 00:16 Uhr
@Delarue

Klar ich stimme dir zu der Holocaust ist sicher mehr als das Ergebnis eines gewöhnlichen nationalistischen Exzesses, wobei wir an vielen Beispielen sehen (Südafrika während der Apartheid, Bosnien, Ruanda etc.) das Unterdrückung und Völkermord letzlich immer das Endstadium und letzte Konsequenz eines auf Unterdrückung anderer Nationen gerichteten Nationalchauvinismus sind.

Die Frage ist auch wie konnte es überhaupt zu so extremen Ausmassen wie 33-45 kommen, denn klar ist das ist ja nicht vom Himmel gefallen.

Letzlich wurde die Vernichtung der Juden (auch der Sinti und Roma und anderer Gruppen) ja lange geplant

Die Nationalsozialistische Agitation war einfach darauf ausgerichtet alle niederen Instinkte im Menschen zu aktivieren.
Frei nach dem Motto bring den Juden um die Ecke und die kriegst sein Haus. Die NSDAP hat zudem die weit verbreitete Antikapitalistische Grundstimmung in der Bevölkerung für sich genutzt und von der Kritik an der Kapitalistischen Produktionsweise abgekoppelt und auf "den betrügerischen Juden" umgeleitet und projeziert.
Auch der Straßenantisemitismus anfang der 19dreißiger Jahre war in seinem Auftreten immer besonders militant, nicht nur in Deutschland auch in Österreich. Auch der Unmut über den Versailler Vertrag wurde Verschwörungstheoeretisch auf den Juden umgeleitet.
Trotzdem gibt es noch weitere Faktoren die den Nationalsozialisten in die Hände gespielt haben wie das langezeit passive Europäische Ausland und die Spaltung der Arbeiterbewegung.

Von: Delarue Das Volk 02.10.2012 23:50 Uhr
Gehts auch etwas weniger kryptisch?
Von: Nein. (Ralf) Kernsozialistische Partei 02.10.2012 23:47 Uhr
Irgendwelche besonderen Gründe zu suchen, warum man Massenmord nicht zulassen soll, ist der erste Schritt auf einer höllischen Treppe.
Von: Delarue Das Volk 02.10.2012 23:40 Uhr
Zitat:
Es ist doch unbestritten das der Holocaust Ergebnis des deutschen Nationalchauvinismus ist


Der Holocaust war Ergebnis eines antisemitischen Vernichtungswahns, der sich gegen die Juden als imaginierte raffende, den Volkskörper zersetzende Gegenrasse zur schaffenden und "gesunden" Volksgemeinschaft richtete. Das war dann doch schon ein wenig mehr als Nationalchauvinismus.

Zitat:
ich glaube Bimbiss meint eher das er als Teil der heutigen Generation keine direkte Schuld dafür trägt, was ja stimmt.


Es sagt ja auch niemand, dass die heutige Generation eine Mitschuld an dem tragen würde, was vor ihrer Geburt geschah. Niemand behauptet die Existenz eines "deutschen Gens" oder so etwas.


Zitat:
Die Verantwortung der heutigen Generation besteht darin sich auch diesen Teils deutscher Geschichte bewusst zu sein


Ja, aber auch der langen Vorgeschichte spezifisch deutschen Nationalismus' und der Entstehung antisemitischer Denkmuster als Konsequenz deutscher Ideologie.

Zitat:
und dafür zu wirken das neonazistische Kräfte keine Möglichkeit haben an Boden zu gewinnen.


plus

Zitat:
Genau darum gehts. Dabei ist aber jegliches Verantwortungsgehabe absolut kontraproduktiv.


Was ist hier mit "Verantwortungsgehabe" gemeint?
Von: Nein. (Ralf) Kernsozialistische Partei 02.10.2012 22:47 Uhr
Zitat:
dafür zu wirken das neonazistische Kräfte keine Möglichkeit haben an Boden zu gewinnen.


Genau darum gehts. Dabei ist aber jegliches Verantwortungsgehabe absolut kontraproduktiv.
Von: Demirtas (LinkerSozi) Sozialist*innen im Internet 02.10.2012 20:30 Uhr
"Der ursprüngliche antifaschistische Impuls kam aus dem bürgerlichen Lager."

natürlich gab es auch antifaschistischen Widerstand aus dem bürgerlichen Lager, wobei Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschaften im dritten Reich doch den deutlich stärkeren Wiederstand geleistet haben, nicht umsonst wurden sie noch härter von der NSDAP und Anhang verfolgt und landeten nicht selten in Arbeits- oder Konzentrationslagern.
Von: Demirtas (LinkerSozi) Sozialist*innen im Internet 02.10.2012 20:09 Uhr
Es ist doch unbestritten das der Holocaust Ergebnis des deutschen Nationalchauvinismus ist wer mag das ernsthaft bestreiten, ich glaube Bimbiss meint eher das er als Teil der heutigen Generation keine direkte Schuld dafür trägt, was ja stimmt.
Die Verantwortung der heutigen Generation besteht darin sich auch diesen Teils deutscher Geschichte bewusst zu sein und dafür zu wirken das neonazistische Kräfte keine Möglichkeit haben an Boden zu gewinnen.
Von: Irre Das Volk 02.10.2012 18:57 Uhr
@Bimbiss

Es gibt eine besondere Verantwortung, ja, weil nicht irgendein Nationalismus den Holocaust und Auschwitz hervorgebracht haben, sondern eben der spezifische Nationalismus der deutschen Ideologie mitsamt seiner völkischen Blutsgemeinschaftslehre und seinem gegenaufklärerischen Ideal einer Identität von Staat und Volk im volksgemeinschaftlich strukturierten Volksstaat.
Und da du in diesem Land lebst, in welchem die Grundlagen jenes Denkens nachwievor sowohl in Gesetzesform gegossen als auch in den Köpfen der Menschen vorhanden und wirksam sind, trägst du auch eine dieser Spezifik des deutschen Nationalismus geschuldete besondere Verantwortung.

Und "spezifisch" bzw. "besondere" bezieht sich hier auf qualitative Unterschiede und nicht auf ein mehr oder weniger an Verantwortung, wie du es mit deiner Polemik von der "Zwei-Klassen-verantwortung" zu suggerieren versuchst.
Von: Wiolant (Bimbiss) Das Volk 02.10.2012 17:39 Uhr
Irre,
ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, wie ich das von dir verstehen soll, aber ich frage sicherheitshalber nach: gibt es eine Zwei-Klassen-Verantwortung?
Von: HildeBenjamin Das Volk 02.10.2012 16:24 Uhr
Zitat:
Der ursprüngliche antifaschistische Impuls kam aus dem bürgerlichen Lager.

Mehr noch:
In seinen Ursprüngen ist der Faschismus anti-bürgerlich!
Von: ReBAktion (BArisHilton) Das Volk 02.10.2012 02:11 Uhr
Zitat:
Der antifaschistische Grundkonsens ist kein Alleinstellungsmerkmal der Linken.


Der ursprüngliche antifaschistische Impuls kam aus dem bürgerlichen Lager.
Von: Irre Das Volk 02.10.2012 02:08 Uhr
Zitat:
Es gibt keine hervorzuhebende besondere Verantwortung, (...)


Danke. Hast mir gerade die Entscheidung abgenommen, ob ich mich bei der Wahl enthalten oder gegen dich stimmen soll.
Von: Nein. (Ralf) Kernsozialistische Partei 01.10.2012 21:17 Uhr
Zum Glück nicht.
Von: Wiolant (Bimbiss) Das Volk 01.10.2012 20:48 Uhr
Es gibt keine hervorzuhebende besondere Verantwortung, es gibt eine grundsätzliche Veranwtortung aller Menschen. Der antifaschistische Grundkonsens ist kein Alleinstellungsmerkmal der Linken.
Von: Nein. (Ralf) Kernsozialistische Partei 01.10.2012 20:21 Uhr
Nee, ich nun grade nicht.
Von: Flickenseel Le Petit Prince 01.10.2012 20:16 Uhr
verschrubelte ausflucht
du bist deutschland
Von: Nein. (Ralf) Kernsozialistische Partei 01.10.2012 19:49 Uhr
Zitat:
Es gibt aus deiner Sicht keine Verantwortung für linke Parteien, die sich aus dem Holocaust ergibt?


Die Aufgabe, Millionenfaches Leid, Tod, Verfolgung und so weiter zu verhindern, stellt sich nicht deshalb, weil es all das schon gegeben hat. Sie stellt sich auch nicht deshalb, weil das hier bzw in den damals deutsch kontrollierten Gebieten geschah. Denn weder wäre es angebracht, irgendwo sonst auf der Welt weniger zu tun gegen solche Vorkommnisse, noch wäre es angebracht, solche Vorkommnisse zuzulassen, wenn es sie bisher nicht gab.
Von: Parenthèse (bracket) Das Volk 01.10.2012 19:41 Uhr
Ralf, wir reden gerade über euren Text, wenn ihr einen Text in die Öffentlichkeit stellt, dann doch wohl zum diskutieren. Was ihr tut, ist sagen "ja, da könnte was fehlen, das sollte nicht zu lang werden..."

Und wenn eine linke Partei, die in Deutschland agiert, nicht sieht, dann würde ich gerne mal wisse, warum nicht.

Also, klar gefragt: Es gibt aus deiner Sicht keine Verantwortung für linke Parteien, die sich aus dem Holocaust ergibt?
Von: Nein. (Ralf) Kernsozialistische Partei 01.10.2012 19:36 Uhr
Zitat:
Statt einfach mal zuzugeben, dass eine Linke Partei den Holocaust und die daraus zu folgernde Verantwortung thematisieren sollte


Wenn du eine solche Verantwortung thematisieren willst, musst du es tun.
Von: Wiolant (Bimbiss) Das Volk 01.10.2012 18:45 Uhr
bracket,
nö, ich muss mich nicht verstecken.
Ich habe an diesem Text nicht mitgewirkt, will ihn daher auch nicht weiter verteidigen. Genauso wenig will ich hier eine dezidierte Gegenposition veröffentlichen, dann hätte ich mich auch vorher einbringen können.
Von: Parenthèse (bracket) Das Volk 30.09.2012 20:19 Uhr
Du lavierst und lavierst, Ralf. Statt einfach mal zuzugeben, dass eine Linke Partei den Holocaust und die daraus zu folgernde Verantwortung thematisieren sollte - und nicht nur Ausschwitz erwähnen, wenn es um eine Kritik an Fischer geht.

@Bimbiss

Es ist ja einigermaßen erfreulich, dass du zumindest zugibt, in dem Text könnte etwas fehlen, aber von dir hatte ich dann eigentich etwas mehr erwartet. Im mOment willst du wohl das tuffige Kollektiv nicht mit eigener konkreter Kritik beschweren. Eigentlich kannt du doch ganz gut Klartext und versteckt dich sonst nicht immer hinter Solidarität.

Von: Nein. (Ralf) Kernsozialistische Partei 29.09.2012 13:03 Uhr
Es steht ja jeder Partei frei, ein Statement zu Völkermorden abzugeben. Die meisten werden sie eher nicht so gut finden.
Von: Wiolant (Bimbiss) Das Volk 29.09.2012 11:34 Uhr
bracket,
global denken, lokal handeln.
Von: Parenthèse (bracket) Das Volk 29.09.2012 02:57 Uhr
"Das sollen ja keine drögen Seminararbeiten mit Pflichtbausteinen werden, die sowieso jeder auswendig hersagen kann."

Hmmm, das Karl Valentin in Deutschland geboren wurde und Betten keine schlechten Erfindungen sind, stellen enorm wichtige und neue Erkenntnisse dar. Die vorallem ausgebreitet werden müssen, sodass Deutsche Verantwortung für Volkermord und die ganz aktuelle Verantwortung daraus, vergessen werden kann.

Von: Parenthèse (bracket) Das Volk 29.09.2012 02:54 Uhr
Bimbiss, welches ist denn die gute Tendenz des Textes?
Von: Nein. (Ralf) Kernsozialistische Partei 28.09.2012 07:57 Uhr
Zitat:
Nun, das ein oder andere hätte wohl noch untergebracht werden können, aber man darf hier auch keine überlangen Abhandlungen erwarten.


Manchen war es jetzt schon zu lang. Es ist immer schwer, bei solchen Statements das richtige Maß zu halten. Das sollen ja keine drögen Seminararbeiten mit Pflichtbausteinen werden, die sowieso jeder auswendig hersagen kann.
Von: Wiolant (Bimbiss) Das Volk 28.09.2012 07:46 Uhr
Nun, das ein oder andere hätte wohl noch untergebracht werden können, aber man darf hier auch keine überlangen Abhandlungen erwarten.
Da ich mich aus der Textdiskussion rausgehalten habe, teile ich nicht alles so in der Form, kann aber mit der Tendenz gut leben.
Von: Nein. (Ralf) Kernsozialistische Partei 28.09.2012 07:40 Uhr
LS

Zitat:
Die Unterschiedlichen Sichtweisen der Linken gestern und heute auf den Nationalstaat sollte noch rein


Was hat sich deiner Meinung nach da getan? Und bei wem? Steht denn im Grundsatz die Mehrheit der Sozialdemokratie und manches darüber hinaus heute so viel anders zur Nation als etwa 1914?
Von: angelus_novus Das Volk 28.09.2012 02:13 Uhr
naja, das übliche blabla der sozialdemokraten, personalisiertes historisieren ohne materialistische kritik an vergesellschaftungsprozessen und deutscher ideologie.

keine erwähnung vom völkischen nationalismus und antimoderner nationalstaatskonstituierung ab den "befreiungskriegen", keine erwähnung von deutscher romantik, deutschem idealismus und ihrer bedeutung für den deutschen nationalismus, keine erwähnung von autoritarismus und militarismus und ihrer bedeutung für die gründung des deutschen staates, keine erwähnung von antisemitismus, antiziganismus und antiamerikanismus als ideologischem kit der volkskonstituierung, keine erwähnung von sozialpakt und sozialer marktwirtschaft als transformationsformen von preußischem sozialismus und volksgemeinschaft, keine erwähnung von lassallscher tradition der deutschen arbeiterbewegung, kein einziges wort über auschwitz.
Von: Demirtas (LinkerSozi) Sozialist*innen im Internet 28.09.2012 00:25 Uhr
Puuuh das würde auf die schnelle den Rahmen sprengen:-)


Ich versuch mal ganz grob einige Anmerkungen aus meiner Sicht zu bringen

1. Die Thematik 1933-1945 und Verbrechen des NS-Staates könnte man durchaus ausführlicher beschreiben

2. Das Thema Rolle der Nationalbewegungen im 18./19 . Jahrhundert und die Unterschiede zum heutigen Nationalismus könnte man einfügen

3. Die historische Verbandelung zwischen Monopolkapitalismus und Nationalchauvinismus gehört rein

4. Die Unterschiedlichen Sichtweisen der Linken gestern und heute auf den Nationalstaat sollte noch rein

5. Der Aspekt das bürgerliche Ordnungen generell kritisch zu hinterfragen sind und nicht spezifisch der deutsche sehe ich ähnlich

6. Die Kritik an der "neuen" deutschen Außenpolitik seit Schröder/Fischer die Krieg wieder als Selbstverständlichkeit betrachtet ist zu begrüßen

7. Der Aspekt "die linke und die Nation" kann abschließend aufgrund der verschiedenheit der Denrichtungen im linken Lager nicht schlußendlich beantwortet werden. Vielmehr sollte man die richtign Lehren aus der Geschichte ziehen und aufzeigen was zwingend in nen Linken Wertekanon reingehört und was ein no-go darstellt.
Von: Parenthèse ((Padauz)) Das Volk 28.09.2012 00:06 Uhr
Dann fände ich es spannend, wenn du die Sachen beim Namen nennst. Welche Teile des Textes bringen dich dazu, eine recht gute Bewertung von 2-3 zu geben? Was würdest hinzufügen, was weglassen? Wo wäre Differenzierung angebracht, wo im Text fehlt die Schärfe?
Von: Demirtas (LinkerSozi) Sozialist*innen im Internet 28.09.2012 00:02 Uhr
Manches in dem Text würde ich anders formulieren, manches schärfer, manches differenzierter, manches weglassen, manches hinzufügen.
Ich würde dem Text im Gesamten eine 2-3 geben, finde das Thema grundsätzlich auch nicht uninteressant.
Von: Parenthèse ((Padauz)) Das Volk 27.09.2012 23:50 Uhr
Amerkungen zum Text "KSP zu Deutschland":

"Deutschland, das sind verschiedene Staaten in der Geschichte, die unter anderem an zwei Weltkriegen und diversen anderen eher nicht so glanzvollen Kulminationspunkten der Geschichte ihren gewichtigen Anteil haben."

Man muss sich die Augen reiben: Ein Text aus einer linken Partei schafft es nicht, die Verbrechen Deutschlands 1933-1945 explizit zu nennen. Kein Wort über Angriffskriege, kein Wort über Millionenfache Zwangsarbeit, kein Wort von der Herrenrasse und der Lebensraum-Ideologie und kein Wort vom Holocaust.

Und weiter unten:

"Eine moderne Linke sollte angesichts der Millionen Toten des zweiten Weltkrieges nicht in patriotische Schwärmerei verfallen. Sie sollte aber angesichts von Atomrüstung, hunderten Kriegen und Gemetzeln der letzten Jahrzehnte, Verfolgung von Juden und ziganer Bevölkerung in vielen Staaten nicht darauf verfallen, speziell in Deutschland das Übel der Welt zu erblicken."

Und auch hier wieder, " Millionen Tote" keine genauere Beschreibung deutscher Schuld und daraus zu folgender Verantwortung, Juden werden in diesem Text dann erwähnt, wenn ihre Verfolgung in anderen Staaten stattfindet.

Kein Wort über Schändungen von jüdischen Einrichtungen in Deutschland heute, kein Wort über Angriffe auf Juden, weil sie in der Öffentlichkeit heute eine Kippa tragen. Natürlich auch kein Wort über die Frage des Selbstbestimmungsrechts jüdischer Menschen in Israel - und von wem es bedroht wird. Wäre wohl auch ein zu heißes Eisen, solidarisieren sich doch viele deutsche Linke lieber mit der Hamas und sehen den Staat Israel als faschistisch an.

Hier ist also weiterhin ein Text zu Deutschland, der die Wiedervereinigung streift und die Kritik der "antideutschen" zitiert, aber kein Wort zu den brennenden Asylantenheimen, zu Rostock Lichtenhagen, zu Hoyerswerda, zum Erstarken von Neonazis, zur NSU usw.

Und noch eines ist bedenklich: Im Aufruf zur dol2day-Kanzlerwahl wird von der KSP mehrfach der Volksbegriff benutzt, in einem Text über Deutschland aber kein Wort über Volk und seine spezielle deutsche Volksideologie, in deren Namen immer wieder Verbrechen begangen wurden und werden, und wie sich eine Linke zu diesem Begriff verhalten will.
Von: Parenthèse ((Padauz)) Das Volk 27.09.2012 23:47 Uhr
Ich dokumentiere hier zunächst den aktuellen Text der KSP von der Startseite, auf den sich mein nächster Kommentar beziehen wird:

"KSP zu Deutschland


Deutschland, das ist der Geburtsort von Dol2day, Karl Marx und Karl Valentin. Deutschland, das sind verschiedene Staaten in der Geschichte, die unter anderem an zwei Weltkriegen und diversen anderen eher nicht so glanzvollen Kulminationspunkten der Geschichte ihren gewichtigen Anteil haben. Was ist eigentlich Deutschland? Deutschland, das war schon immer der Zankapfel der Linken, die dort leben. Die Sozialisten wollten keine Heimat und kein Vaterland kennen, bis es 1914 ernst wurde.

Danach war Deutschland häufig ein positiver Anknüpfungspunkt in der Agitation der Linken. Gegen Versailles, gegen Hitler, gegen die Republik, gegen den Angriffskrieg sollten die Bürger sein zum Wohle Deutschlands. Das Bündnis mit dem idealistischen Glauben an ein eigentlich besseres Deutschland und an eine angeblich so strahlende deutsche Geschichte suchte auch die sowjetische und kommunistische Propaganda - die ungewöhnlich hohe Dichte toter Preußengenerale in ostdeutschen Plattenbauvierteln ist ein später Ausläufer dieser Tradition. Denn auch die DDR verstand die nationale Klaviatur sehr wohl, versuchte mal die gesamtdeutsche Erinnerung, mal die Loyalität zur sozialistischen Andersgesellschaft als Nation zum Stachel der Propaganda zu machen.

Während die meisten dann später frenetisch die Einheit feierten und vom östlichen "Friedensstaat" nichts mehr wissen wollten, sahen viele deutsche Linke ab 1989 ein neues deutsches Reich auferstehen und waren eher abgeneigt. Der Videomitschnitt vom Konkret-Kongress (hier ein sehr bekannter Ausschnitt http://www.youtube.com/watch?v=NwItwS2bG2s ) erinnert an diese Zeit.

Die Linken irrten einerseits: Deutschland blieb noch zehn Jahre trotz Volker Rühe eine im Bewusstsein friedliebende Nation, bis ausgerechnet die Sozialdemokraten und Grünen 1999 erklärten, dass Deutschland wegen Auschwitz nunmehr seine Verantwortung für die Welt durch Angriffskriege tragen müsse, die natürlich gar keine gewesen sein sollen. Andererseits irrten die Linken nicht. Das neue Deutschland war in viel stärkerem Maße als die alte BRD Motor und Zentrum der EG und der EU, der europäischen Staatenwelt insgesamt. Was 1990 noch als Nation der Scheckbuchdiplomaten verkannt wurde, tritt inzwischen auf mit den Worten "ich komme nicht als Tourist in Badehose. Ich bin der deutsche Außenminister. Wenn ich etwas sage, dann gilt das".

In der Zwischenzeit haben sich die sogenannten Antideutschen gegründet, nach Meinung der Zeitschrift Der Metzger ( http://www.trend.infopartisan.net/trd7802/t167802.html ) eine schlimme Pervertierung im Kern wichtiger Gedanken. Wo in all dem soll man sich zurecht finden?

Eine moderne Linke sollte angesichts der Millionen Toten des zweiten Weltkrieges nicht in patriotische Schwärmerei verfallen. Sie sollte aber angesichts von Atomrüstung, hunderten Kriegen und Gemetzeln der letzten Jahrzehnte, Verfolgung von Juden und ziganer Bevölkerung in vielen Staaten nicht darauf verfallen, speziell in Deutschland das Übel der Welt zu erblicken. Deutschland ist der Ort, an dem wir leben und viele kennen, die nicht gut leben. Deutschland ist immer unser erstes Beispiel für Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft, denn Deutschland erleben wir mehr als alle anderen Länder der Welt.

Wir denken internationalistisch genug, um zu erkennen dass die meisten Übel, die wir hier kritisieren, aber nicht deutsche Eigenarten, sondern in der einen oder anderen Ausprägung überall dort zuhause sind, wo die bürgerliche Gesellschaft und die Marktwirtschaft Einzug hielten. Darüber verschließen wir nicht die Augen vor Mißständen in den Ländern, die wir eher nicht als bürgerliche Staaten bezeichnen würden und scheuen auch keine wohlüberlegte Kritik an Staaten, in denen die Bevölkerung den Ausbrauch in eine bessere Welt riskiert.

Wir nehmen die alte Idee wieder auf: Ein Mensch braucht ein Bett und ein Dach und tausend Dinge zum Leben, ein Vaterland ist nicht darunter."