Thema: Die stärkste der ParteienNeuer Beitrag
Von: Nein. (Freizeit 81) Kernsozialistische Partei 17.07.2012 22:37 Uhr
Zitat:
es wird häufig darüber gejammert, dass zu wenig Arbeit vorhanden sei

Wo denn? Die sächsische Linke plakatierte schon vor Jahren "Die einen krank, die anderen arbeitslos". Die thüringische Linke plakatierte "Arbeit fair teilen". Wer jammert denn, dass das Gesamtvolumen der Arbeit zu wenig sei? Den meisten ist der Lohn zu wenig oder die Anzahl der Lohnoptionen. Dass die den Sprung zur Systemkritik nicht schaffen, ist zwar schade, aber hilft deiner These auch nicht.
Von: Demirtas (LinkerSozi) Sozialist*innen im Internet 17.07.2012 21:12 Uhr
Und wenn die die heute 50 Stunden arbeiten nur noch 30 Stunden ran müssen haben natürlich auch diese ein mehr an Lebensqualität in Form von Freizeit, ein weiterer positiver Nebeneffekt
Von: Demirtas (LinkerSozi) Sozialist*innen im Internet 17.07.2012 21:10 Uhr
@Delarue

Statt "Wir wollen Arbeitsplätze!" lieber die Forderung: "Weniger Arbeit für alle, weil es technisch schon längst möglich ist."


Die Arbeitslosen wollen Arbeitsplätze, ein Schritt dahin ist richtigerweise die vorhandene Arbeit auf mehr Leute zu verteilen, darum geht es ja auch, es kann nich sein das manch einer keine Arbeit findet während andere 50 Stunden wöchenlich schufften müssen (am besten noch unbezahle Mehrstunden).

Daher setzt sich die Linke und die Gewerkschaften seit eh und je und heute gerade die Partei die LINKE für Arbeitszeitverkürzungen ein.
Richtigerweise haben wir eine enorm gestiegende Produktivität, die es nicht mehr erklärbar machen lässt das immer noch menschen hungern müssen.
Es ist definitiv Arbeit für alle da.
Allerdings sind mutige Arbeitszeitverkürzungen von nöten eine 30 Stunden-Woche wäre absolut und sofort realisierbar.

Allerdings sollte die Linke nicht ihre Enegrie darin verschwenden darüber nachzudenken ob eine Gesellschaft ohne Arbeit möglich ist, das spielt in der Realität Arbeitsloser Menschen keine Rolle.
Sondern vielmehr offensiv in den Konflikt mit der Kapital-orientierten Seite treten um die Arbeit und auch die horrenden Vetmögen in der Gesellschaft gerecht zu verteilen.
Das das nicht mit gutgemeinten Appellen funktioniert ist natürlich ebenso klar.
Von: Delarue Das Volk 17.07.2012 20:53 Uhr
Zitat:
Ich denke das diese Sichtweise in der Linken Bewegung tatsächlich gar nicht wirklich existiert, da es eine Phantomdebatte wäre.
Im Bürgerlichen Spektrum aber durchaus


Naja, ich glaube, die Argumentation a la "das gibt es unter Linken nicht, sondern nur da und da" wird ja häufig gebracht, und es wird nicht richtiger- nicht bezogen auf Antisemitismus, nicht bezogen auf Rassismus, nicht bezogen auf Sexismus, und auch nicht bezogen auf den Arbeitsfetisch oder die Stigmatisierung "Untüchtiger".

Interessant wäre doch einmal, folgende von Grigat aufgeworfene Problematik zu diskutieren:
es wird häufig darüber gejammert, dass zu wenig Arbeit vorhanden sei. Aber sollte nicht viel mehr thematisiert werden, dass ausgerechnet dieser Umstand an sich ein Guter ist, der aufgrund der Verfasstheit der kapitaldominierten Gesellschaft nur nicht richtig genutzt wird? Stichwort Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich und hierdurch eine gerechtere Verteilung von Arbeit. Dies wäre freilich noch längst keine Überwindung des Prinzips Erwerbsarbeit als solche, aber doch eine Reform in die richtige Richtung.

Statt "Wir wollen Arbeitsplätze!" lieber die Forderung: "Weniger Arbeit für alle, weil es technisch schon längst möglich ist."
Von: Nein. (Freizeit 81) Kernsozialistische Partei 15.07.2012 19:39 Uhr
Deswegen nenne ich diese Arbeitskritik auch antiquiert. Sie geht an den Ideen der Arbeitslosen vollkommen vorbei und lädt zu unnötigen Mißverständnissen ein.
Von: Demirtas (LinkerSozi) Sozialist*innen im Internet 15.07.2012 19:21 Uhr
@Delarue

denn bei genauerem Hinschauen gibt es das recht häufig in der politischen Linken, diese Unterscheidung zwischen den "Tüchtigen", für deren "Rechte" man sich einzusetzen berufen fühlt, während die "Untüchtigen" mit einer Art von Verachtung bedacht werden, weil sie es ja wären, die sich dem Aufbau einer als gerecht halluzinierten Gesellschaft unter dem Motto "Arbeit für alle!" durch ihr als unmoralisch erlebtes Verhalten in den Weg stellen.

Ich denke das diese Sichtweise in der Linken Bewegung tatsächlich gar nicht wirklich existiert, da es eine Phantomdebatte wäre.
Im Bürgerlichen Spektrum aber durchaus

Das Bild des vermeintlich "faulen Arbeitslosen" der sich auf den Kosten der Solidargemeinschaft ausruht ist zwar zweifelsohne in vielen Köpfen der Bürgerlichen Gesellschaft verwurzelt, allerdings entspricht es eben nicht der Realität Arbeitsloser Menschen.

Dieses Zerrbild wird bewusst geschürt um Prekarisierte gegeneneinander auszuspielen, also dem Niedriglöhner wird eingeredet er würde ja mehr verdienen, wenn nur endlich diese "faulen Arbeitslosen" mal was tun würden, oder weniger Zuschüsse kriegen (wobei die Frage ist wo man sich bei den bestehenden erbärmlichen HARTZ IV-Sätzen überhaupt noch verschlechtern kann, weiter runter gehts eigentlich nimmer)

Die überwältigende Mehrheit der Jobsuchenden würde lieber heute als morgen wieder arbeiten, aber wird eben bewusst von Arbeitsleben ausgeschlossen oder soll sich für einen Hungerlohn prostituieren, von dem man nicht leben kann.


Von: Boy Kottke Das Volk 15.07.2012 19:15 Uhr
delarue: erinnerst du dich noch an das plakat "arbeit muss das land regieren"? *grusel*
Von: Nein. (Freizeit 81) Kernsozialistische Partei 15.07.2012 14:37 Uhr
Das psychische Problem von Leuten, die sich an Arbeit gewöhnt haben, ist natürlich eine Härte. Ich habe das nicht. Ich mache gern Urlaub und wenn das lang genug läuft, suche ich mir schon was zu tun. Ist ja nicht so, als gäbe es nichts zu erledigen in der Gesellschaft.

Tatsächlich stellen sich die Gegenstände und Dienste nicht von selbst her. Einer sinnvollen Verteilung dieser Lasten und einer offenen Verhandlung darüber, welche überhaupt gebraucht werden, steht die Marktwirtschaft im Weg. Wer aber meint, mit der Marktwirtschaft wäre auch die Notwendigkeit weg, gemeinsam Zeugs herzustellen, der ist ein Träumer.
Von: Demirtas (LinkerSozi) Sozialist*innen im Internet 15.07.2012 14:01 Uhr
Naja ne Gesellschaft ohne Arbeit ist ziemliche Utopie denke ich, es gibt einfach Sachen die müssen gesellschaftlich einfach erledigt werden nicht nur in der Industrie gerade auch in sozialen Berufen.
In der Pflege, im Krankenhaus.

Darüberhinaus ist das doch grade auch das Problem für einen Arbeitslosen, auf der eine Seite mit HARTZIV abgespeist, wo ein normaler lebenstil kaum möglich ist, auf der anderen Seite das Gefühl zu haben in dieser Gesellschaft nicht gebraucht zu werden. Die finanzielle Demütigung ist das eine, die sozial-psychische die andere.

Was wir statdessen brauchen wäre eine radikale und mutige Arbeitszeitverkürzung
Von: mirko1a Christlich Konservative Partei 15.07.2012 14:00 Uhr
Die UNION steht bereits auf Platz 5. Ein gutes Zeichen.
Von: Nein. (Freizeit 81) Kernsozialistische Partei 15.07.2012 12:33 Uhr
Delarue, beiseite schieben ist doch ganz einfach. Hast du noch nie jemanden beiseite geschoben, der im Weg stand? Meistens sagt man vorher ja was und gutwillige Menschen gehen auch von selbst weg.
Von: Richard B. (Amos Silo) Partei des sozialen Ausgleichs 15.07.2012 12:27 Uhr
Naja, immerhin war die PsA bislang einen Monat lang stärkste Partei. :-)

Was ich allerdings ausgesprochen erfreulich finde ist, daß an der Spitze des Parteienrankings überwiegend linke Parteien stehen.
Von: Delarue Das Volk 15.07.2012 12:03 Uhr
Ich finde, manch Linker argumentiert derart arbeitsfetischistisch, dass man sich in Gesellschaft eines Christdemokraten oder einer Wirtschaftsliberalen wähnt. Oberflächlich betrachtet, denn bei genauerem Hinschauen gibt es das recht häufig in der politischen Linken, diese Unterscheidung zwischen den "Tüchtigen", für deren "Rechte" man sich einzusetzen berufen fühlt, während die "Untüchtigen" mit einer Art von Verachtung bedacht werden, weil sie es ja wären, die sich dem Aufbau einer als gerecht halluzinierten Gesellschaft unter dem Motto "Arbeit für alle!" durch ihr als unmoralisch erlebtes Verhalten in den Weg stellen.

Vielleicht sollte man in der politischen Linken damit beginnen, auch Oscar Wilde in die kursierenden Listen "linker Klassiker" aufzunehmen und einmal wieder seinen Essay "Der Sozialismus und die Seele des Menschen" lesen...

Zitat:
[...]An der körperlichen Arbeit ist ganz und gar nichts notwendig Würdevolles, und meistens ist sie ganz und gar entwürdigend. Es ist geistig und moralisch genommen schimpflich für den Menschen, irgend etwas zu tun, was ihm keine Freude macht, und viele Formen der Arbeit sind ganz freudlose Beschäftigungen und sollten dafür gehalten werden. Einen kotigen Straßenübergang bei scharfem Ostwind acht Stunden am Tag zu fegen, ist eine widerwärtige Beschäftigung. Ihn mit geistiger, moralischer oder körperlicher Würde zu fegen, scheint mir unmöglich. Ihn freudig zu fegen, wäre schauderhaft. Der Mensch ist zu etwas Besserem da, als Schmutz zu entfernen. Alle Arbeit dieser Art müsste von einer Maschine besorgt werden.

Und ich zweifle nicht, dass es so kommen wird. Bis jetzt war der Mensch bis zu gewissem Grade der Sklave der Maschine, und es liegt etwas Tragisches in der Tatsache, dass der Mensch, sowie er eine Maschine erfunden hatte, die ihm seine Arbeit abnahm, Not zu leiden begann. Das kommt indessen natürlich von unserer Eigentums- und Konkurrenzwirtschaft. Ein einzelner ist der Eigentümer einer Maschine, die die Arbeit von fünfhundert Menschen tut. Fünfhundert Menschen sind infolgedessen beschäftigungslos; und da man ihre Arbeit nicht braucht, sind sie dem Hunger preisgegeben und legen sich auf den Diebstahl. Der einzelne eignet sich das Produkt der Maschine an und behält es und hat fünfhundertmal soviel, als er haben sollte, und wahrscheinlich, was viel wichtiger ist, bedeutend mehr, als er tatsächlich braucht. Wäre diese Maschine das Eigentum aller, so hätte jedermann Nutzen davon. Sie wäre der Gemeinschaft von größtem Vorteil.

Jede rein mechanische, jede eintönige und dumpfe Arbeit, jede Arbeit, die mit widerlichen Dingen zu tun hat und den Menschen in abstoßende Situationen zwingt, muss von der Maschine getan werden. Die Maschine muss für uns in den Kohlengruben arbeiten und gewisse hygienische Dienste tun und Schiffsheizer sein und die Straßen reinigen und an Regentagen Botendienste tun und muss alles tun, was unangenehm ist. Jetzt verdrängt die Maschine den Menschen. Unter richtigen Zuständen wird sie ihm dienen. Es ist durchaus kein Zweifel, dass das die Zukunft der Maschine ist, und ebenso wie die Bäume wachsen, während der Landwirt schläft, so wird die Maschine, während die Menschheit sich der Freude oder edler Muße hingibt - Muße, nicht Arbeit, ist das Ziel des Menschen — oder schöne Dinge schafft oder schöne Dinge liest oder einfach die Welt mit bewundernden und genießenden Blicken umfängt, alle notwendige und unangenehme Arbeit verrichten.

Es steht so, dass die Kultur Sklaven braucht. Darin hatten die Griechen ganz recht. Wenn es keine Sklaven gibt, die die widerwärtige, abstoßende und langweilige Arbeit verrichten, wird Kultur und Beschaulichkeit fast unmöglich. Die Sklaverei von Menschen ist ungerecht, unsicher und entsittlichend. Von mechanischen Sklaven, von der Sklaverei der Maschine hängt die Zukunft der Welt ab. Und wenn gebildete und gelehrte Männer es nicht länger nötig haben, in ein fürchterliches Armenviertel hinabzusteigen und schlechten Kakao und noch schlechtere Decken an halbverhungerte Menschen zu verteilen, so werden sie eben köstliche Muße haben, wundervolle und herrliche Dinge zu ihrer eigenen und aller andern Freude zu ersinnen. [...]
Von: Delarue Das Volk 15.07.2012 11:47 Uhr
Mhm. Und was bedeutet das konkret, "Beiseite schieben"?
Von: Nein. (Freizeit 81) Kernsozialistische Partei 15.07.2012 10:28 Uhr
Arbeiten müssen erledigt werden. Wer da im Weg rumlungert, gefährdet sich und andere. Für die Müßiggänger ist es daher das Beste, wenn man sie beiseite schiebt. Man braucht sie weder im Operationssaal noch am Förderband.
Von: Delarue Das Volk 15.07.2012 02:14 Uhr
Und zur Kritik des Arbeitsbegriffs (ich frage mich übrigens, weshalb eine solche "antiquiert" sein soll...):


http://derstandard.at/1271375574454/Kommentar-der-anderen-Die-Arbeit-nieder
Von: Delarue Das Volk 15.07.2012 02:12 Uhr
"Im Weg sein" ist aber doch was Feines...
Von: Nein. (Freizeit 81) Kernsozialistische Partei 14.07.2012 16:39 Uhr
Das ist eine Frage der Sicherheit. Nicht jeder hört die Signale. Es gibt keinen Grund für eine antiquierte Arbeitsbegriffkritik, wenn es bloß drum geht, die Freizeit bitte außerhalb der Arbeitsstätte abzuhalten, damit man nicht im Weg ist.
Von: Delarue Das Volk 14.07.2012 15:00 Uhr
... aber die Müßiggänger schiebt ihr Arbeitsleute nicht beiseite, oder?
Von: Nein. (Freizeit 81) Kernsozialistische Partei 13.07.2012 15:39 Uhr
Irgendwann gründe ich eine ADP umn die RKP zu spalten ;-)

Spaß beiseite, ich bin nicht gegen eine Wiederbelebung der Atomsozialisten und der Kommunisten. Allerdings wünsche ich mit, dass die Leute dafür als neu Registrierte daherkommen und nicht vorrangig den verbliebenen Parteien die Luft abdrehen. Facebook, Twitter usw - so viele Möglichkeiten!
Von: Irre Das Volk 13.07.2012 00:45 Uhr
@Boy

que kue ksp. ;-)
Von: Boy Kottke Das Volk 12.07.2012 23:15 Uhr
que?
Von: Flickenseel Le Petit Prince 12.07.2012 21:57 Uhr
der spaltpilz kommt doch eh, ist schon in der gründung
Von: Ambion (Lifthrasir) Nationalliberale Internet Partei 12.07.2012 20:21 Uhr
Versucht es mal positiv zu sehen: neue Impulse, wie die Wiedergründung der SII, wirken sich belebend auf Dol aus. Das macht Hoffnung für die Weiterentwicklung Dols.
Von: Demirtas (LinkerSozi) Sozialist*innen im Internet 12.07.2012 18:36 Uhr
Vor 2 Wochen mit mühevoll 7 Gründungsmitgliedern gestartet innerhalb von 14 Tagen mehr Neuintritte als die Zahl der Gründungsmitglieder selber und Platz 1 im Ranking da braucht sich die SII nicht verstecken:-)
Von: Boy Kottke Das Volk 12.07.2012 16:54 Uhr
jupp... die stärke der sii ist leider auch aus meiner sicht ein zeichen für die schwäche dols insgesamt. wenn die sii stärkste partei wäre, aber alle anderen um die 30 mitglieder hätten, wäre ich deutlich beruhigter... und könnte mich auch mehr darüber freuen...
Von: Nein. (Freizeit 81) Kernsozialistische Partei 12.07.2012 14:05 Uhr
Das heißt nichts gutes für dol. Immerhin sind bei Neugründungen die Leute erstmal aktiver als beim Rest.
Von: Ambion (Lifthrasir) Nationalliberale Internet Partei 12.07.2012 09:51 Uhr
Schaut das neue Parteienranking bei Dol an und genießt.